Heinz Ludwig Arnold: Wilflinger Lehrjahre. Als Sekretär bei Ernst Jünger.
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Heinz Ludwig Arnold: Wilflinger Lehrjahre. Als Sekretär bei Ernst Jünger.

 

Für Ernst Jünger war es nicht der erste Verrat. Als im Jahr 1990, die von seinem ehemaligen Sekretär Heinz Ludwig Arnold verlegte Zeitschrift „TEXT+KRITIK“ seine Person kritisch thematisierte, bedeutete dies für Jünger einen endgültigen Bruch der schon zuvor abgekühlten freundschaftlichen Beziehungen. Bereits Arnolds Vorgänger Armin Mohler hatte durch eine öffentlich geführte publizistische Attacke Jüngers Rubikon überschritten und den Zorn seines vormaligen Idols erregt. Mohler echauffierte sich über das vermeintliche Arrangement Jüngers mit der demokratischen Bundesrepublik und kritisierte die Entgegennahme des Bundesverdienstkreuzes von Bundespräsident Theodor Heuss. Arnold hingegen “emanzipierte“ und entfremdete sich im Laufe seiner Zeit als Secretarius von der Person Jünger und distanzierte sich zunehmend von seiner vorherigen jugendlichen Faszination für ebendiesen. Selber beschrieb Arnold seine Entwicklung anlässlich Jüngers 85. Geburtstag in einem Brief wie folgt: „Ich habe den Zug verlassen, in dem ich zuerst in Ihrem Abteil, dann in einem anderen Wagen gemeinsam mit Ihnen reiste. Ich habe andere Züge benutzt, bin schließlich eigene Wege gegangen.

 

Für viele Leser und Verehrer Jüngers erscheint Heinz Ludwig Arnold aus diesem Grund als Verräter. Dass dieses Bild nicht vollends zutreffend ist, zeigt der von Arnold selbst verfasste Essaybeitrag „Wilflinger Lehrjahre. Als Sekretär bei Ernst Jünger.“ aus dem Jahr 2011, der im vergangenen Winter des Jahres 2018 vertont auf der Internetseite des SWR2 veröffentlicht wurde. Im höchst interessanten Beitrag resümiert Arnold seine Zeit als Jüngers Secretarius und erzählt retroperspektiv von Geschichten und Erlebnissen aus der damaligen Freundschaft. Neben der graduellen und biografischen Erläuterung des „beruflichen“ Verlaufs dieser anfänglich ungleichen Beziehung von Chef und Sekretär stechen bis zum Ende des Beitrags immer wieder unbekannte und interessante Details aus dem Alltag Jüngers in den beginnenden sechziger Jahren hervor. Neben für Jünger-Kenner geläufigen Informationen finden sich auch immer wieder neue Anekdoten aus der Erinnerung Heinz Ludwig Arnolds. Am relevantesten bleiben jedoch die Ausführungen zu der schleichenden Entfremdung Arnolds und Jüngers, die in der Veröffentlichung des Jahres 1990 kulminierte. Wer diese wechselhafte Geschichte besser nachvollziehen möchte, kommt um die im Essay dargestellte Perspektive Arnolds nicht herum.

 

Lukas Dieudonné

 

Den Radioessay von H.L. Arnold finden Sie hier.